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![]() Natalia Selber-Arsijenkowa und Alexander Gamy. Foto: Hasselberg |
Wenn Russen Deutsche Dichter interpretieren
Liederabend im Haus am Schluh beeindruckte das Publikum Worpswede. Einen außergewöhnlichen Abend gestalteten zwei Künstler aus St. Petersburg und Moskau im Haus am Schluh: Natalia Selber-Arsijenkowa am Klavier und der Tenor Alexander Gamy. Sie boten Kunstlieder russischer Komponisten nach Texten deutscher Dichter dar. Die Pianistin gab eine informative Einführung in das russische Kulterleben des 19. Jahrhunderts und in das Programm des Abends. Die deutschen Lyriker hätten seit Goethe und Schiller immer wieder große Beachtung beim russischen Publikum gefunden, seien schnell übersetzt worden und hätten auch viele Komponisten zu musikalischen Interpretationen inspiriert. Natürlich sei es nie einfach gewesen, gerade lyrische Texte von einer Sprache in die andere zu transportieren, aber die besten russischen Übersetzer bis hin zu Boris Pasternak und manchmal die Komponisten selber hätten versucht, den Wesengehalt eines Gedichtes zu erfassen und in ihrer Sprache auszudrücken. |
| Die Pianistin Natalia Selber-Arsijenkowa
rezitierte alle Gedichte frei in deutsch, anschließend interpretierte sie
gemeinsam mit dem Sänger Alexander Gamy die russischen sprachlichen und
musikalischen Versionen. Je sieben Gedichte von Heine und Goethe wurden
dargeboten und ein Gedicht von Joseph von Eichendorff. Die größten russischen
Tonsetzer haben diesen Gedichten eine musikalische Form verpasst. Sie sind
bei uns durch ihre Opern, Sinfonien und Konzerte bekannt geworden. Dass
sie sich auch mit der schwierigen Kunst der Liedkomposition und dann auch
noch nach Texten deutscher dichter beschäftigt haben, war sicherlich den
meisten Zuhörern an diesem Abend eine überraschende Neuigkeit. Nikolai Rimsky-Korsakow,
Alexander Borodin, Serge Rachmaninow und schließlich Peter Tschajkowsky
haben viele Gedichte von Heinrich Heine vertont. Die beiden Künstler interpretieren
die Lieder, in denen der große deutsche Dichter in der ersten Hälfte des
19. Jahrhunderts seinen Liebesschmerz und Liebeskummer zum Ausdruck brachte,
aber auch seinen Heimatverlust in der Pariser Emigration. Dabei konnte der
Sänger nun die ganze russische sprachliche Inbrunst aisdruckvoll gestalten.
Er tat das mit einer starken unverbrauchten Stimme, und die Pianistin war
eine sichere Begleiterin. "Wenn ich in Deine Augen seh", "Vergiftet sind
meine Lieder", "Du bist wie eine Blume" und "Traum" sind Heines Gedichte
überschrieben. "Vor langer Zeit habe ich in meiner Heimat gelebt, nun sehe
ich sie nur noch als Traum." Theodor W. Adorno hat Joseph von Eichendorff
nicht als Dichter der "Heimat" bezeichnet, sondern des "Heimwehs". Das gilt wohl in vollem Umfang auch für Heinrich Heine, der dann noch mit seinen Gedichten "Warum", "Fichtenbaum" und "Ich wollt, meine Schmerzen ergössen" auf deutsch und russisch zu Wort kam. Eichendorfs Sehnsucht nach seiner schlesischen Heimat fand in dem kleinen Gedicht "Im Walde" seinen sprachlichen und musikalischen Ausdruck. Auch der deutsche Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe war nicht frei von sentimentalen und melancholischen Empfindungen. Seine Gedichte "Nur wer die Sehnsucht kennt", "Einsamkeit", "Nähe der Geliebten", "Mailied" und "Wanderers Nachtlied" bildeten den zweiten Schwerpunkt des Konzerts. Dabei konnte das Publikum auch den bei uns noch wenig bekannten russischen Komponisten Nikolaj Metner kennen lernen, der die meisten Gedichte Goethes vertont hat, neben Peter Tschaikowsky und Anton Rubinstein. Metners und Rubinsteins Versionen von Goethes "Wanderers Nachlied" waren Abschluss und Höhepunkt des Abends, letztere im Duett überzeugend präsentiert. Das begeisterte Publikum bekam auch noch eine Zugabe. "Die Rose, die Lilie" aus Heinrich Heines "Dichterliebe" von Robert Schumann zu Hören, aber diesmal auf deutsch. (Wümme-Zeitung. Ausgabe Nr. 225) |
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