BITTE
 
Meine Sonne, meine Kleine,

Du bist beste, du bist feine.

Deine Haare, deine Füße,

Deine Augen will ich küssen.

 

Ich mag deine süße Finger,

Ich mag deine andre Dinger:

Schönes Lächeln, helle Schritte…

Mag mich auch! Bitte, bitte!

 

2005

 

 
(Die weitere freie Übersetzungen von Bernhard Wolf)
 
ABGRUND

 

Es trieb mich

die kopfschwindelnde Strömung

ihrer Küsse.

Och stieg hoch

auf den Kamm wütender Wellen

und fand mich wieder

an Fern hinter der Schwelle liegender Orte

zum Schwimmen bestimmt von jemandem.

Ich stürzte manchmal

in den tollkühnsten Abgründen

ihres unerschöpflichen,

- wie es mich damals dünkte -

Ozeans...

Bis ich fast ertrank.

Nun selten nur

Und ohne sonderbares Vergnügen

Leiste ich mir

Vorsicht an die Wasserkante zu kommen

Und mit den Füssen zu plantschen.

 

1989

 

 

OB ES MÖGLICH IST?

 

Ob man fordern kann

von den fernen Sternen,

dass die uns aufwärmen?

Ob man erbitten kann,

den Grabstein,

dass er uns Labung bringen würde?

Warum denn

glauben wir denjenigen,

die aus ihrer Lüge

nutzbringendes Handwerk

ihnen zuliebe gemacht haben?

Und erwarten von ihnen

Etwas heiliges und gutes,

nachdem sie Ruhm erlangten

durch Taten

töricht und schmutzig.

 

1989

 

 

QUALLE

 

Auf der salzigen Lippe

von Myriaden

geflochtenen Sandkörnern

zerfloss

zitterndes,

buchstäblich

geschält von der Schale

rohes Ei,

Gelee

Von der Qualle:

projizierend in sich selber

Geburt und

Dämmerung

der Welt

zugleich.

 

1996

 

 

DIE ZUGEHÖRICHKEIT

 

Genießend

Die Zugehörigkeit

Habe ich Berührungsängste,

wegen Überdruss.

 

1996

 

 

DAS THEATERSTÜCK

 

Ich stimmte die Saiten des Regens

nach der Tonart drohender Donner,

aus Wolken schaffte ich die Dekoration,

das Licht – aus den ganzen Donnerblitzen,

als Souffleur dienten mir die Winde,

als Metronom – die Schläge der Tropfen!

 

Und zitternd, durch und durch nass, spielte ich,

schüttelte ich das Wasser aus meinen Schuhen,

Und sagte die Welt: „Es gibt keine schönere Stücke

über die himmlische Stille und Sonne!“

 

1997

 

 

DER AUFSTIEG DES SONNE

 

Baumwollegleicher, dicker Nebel

Quillt zwischen den kargen Baumblätter,

Taut wie Regen aus Tränen.

 

1999

 

 

SUCHE

 

Du begehrst die Weisheit

Und weißt nicht,

dass unweit die Liebe verweilt. (bummelt)

 

1999

 

 

HAUPTSACHE

 

Hauptsache – die Lüge nicht ausdenken.

Hauptsache – in ihr glauben

und machen die eigene Wahrheit daraus.

 

1999

 

 

OHNE LACHEN

 

Weder Schneebälle,

noch Schneeburgen,

noch Eislaufschuhe

und keine Schneemänner,

weder Eisfiguren,

noch Schlitten und Ski,

und... kein Lachen –

bloß Schneeloser Winter.

 

2000

 

 

HINGABE

 

Leise, hell und freudig

Deckte der Schneefall

Die völlig gelöste Erde...

 

2000

 

 

JUNI

 

In der schwüle des Mittags ist der Fluss

- wie bestreut mit Schnee -

Leicht vom Blütenstaub des Pappel.

 

2000

 

 

DAS LOS

 

Der Pokal ist vergiftet!

Aber trinken bis zum letzten Tropfen

Ist mein vorausbestimmtes Los...

 

2000

 

 

HÖLLE

 

Die Seele ist bereits bestraft dadurch,

Dass sie Niedersame

Bis zum Niveau des Menschen.

 

2001

 

 

MORGENRÖTE

 

Den blauen stolzen Pfau

mit gelb-erbleichtem Auge,

uns vor den Augen hat man verwandelt

in rosa-junglinghaftem Flamingo.

 

2001

 

 

DZHIHAD

 

Sowie die Sonne plusgeladen ist,

und der Mond durch minus,

So ist der Mondsichel ein Symbol für Minus,

Und das Kreuz – wohlbemerkt! –

Ist daher ein Symbol für Plus!

Sowohl in der Seelenrettung, als auch der – Reinigung

Gibt es zwei Pole, zwei Begriffe:

So verhilft einigen zum Emporsteigen – die Nächstenliebe,

Anderen wiederum – Dzhihad mit den Nichtgläubigen.

 

2002

 

 

* * *

Nicht ganz die Erwartete

ließ sich unterm Hochzeitschleier erblicken –

voreilig war er

 

 

* * *

Nicht eingeladen wird Muse

die Stille zu stören –

faul und satt bin ich

 

 

* * *

Demütig leuchtet

der Schimmer des vergangenen Tages

im Laufe des Jahrhunderts